5 Fehler – wie du einen Kurs NICHT leiten solltest.

5 Fehler – wie du einen Kurs NICHT leiten solltest.

Es gibt bestimmte Fehler, die beim Anleiten eines zirkus- oder theaterpädagogischen Kurses passieren können. Diese Fehler sind meistens die Gleichen und wiederholen sich gerne. Auch ich war zu Beginn nicht Fehlerfrei und habe einige der hier aufgelisteten Fehler selbst gemacht. Einige konnte ich auch bei anderen Kursleitern beobachten.

Wähle nicht nur einen Weg

Gerade im Zirkus wird gerne die eine Technik vermittelt. Mir selbst wurde Zirkus nur mit einer Technik beigebracht. Konkret meine ich damit, dass nur eine Technik zu Jonglieren akzeptiert wurde. Wählte ich eine andere Variante wurde dies als Falsch dargestellt. Zumindest als ich noch das Jonglieren lernte, später änderte sich das. Ähnliche Fehler finden dann aber auch viel Subtiler statt. Dann haben wir als Kursleiter zum Beispiel eine bestimmte Vorstellung, wie eine Szene auszusehen hat, oder Ähnliches. Dann wird oft nur diese eine Möglichkeit akzeptiert.

Lass deine Teilnehmenden sich ausprobieren und akzeptiere ihren Vorschlag. Das gelingt dir in drei Schritten:

  1. Versuche Übungen nicht vorzumachen, sondern erkläre sie. Weiteres findest du im Punkt weiter unten.
  2. Akzeptiere das Dargestellte wertfrei an. Löse dich von dem Gedanken, ob und wie gut die Darbietung war. Konzentriere dich lieber auf die Interpretation mit der Frage: Erkenne ich, was dargestellt werden soll.
  3. Beschreibe was du gesehen hast. Für das Theater bedeutet das: Wenn ich einen Charakter spiele, der etwas sucht, sollte der Zuschauer dies erkennen. Wenn ich es nicht erkenne, gibt die Rückmeldung was du gesehen hast und was verbessert werden kann.
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Mache nichts vor

Diesen Punkt habe ich schon kurz bei „Es gibt nur einen Weg“ angeschnitten. Nehmen wir mal an, du möchtest das sich deine Teilnehmenden müde durch den Raum bewegen. Wenn du ihnen sagst, was du möchtest, erscheint bei jedem deiner Teilnehmenden das Bild einer müden Person im Kopf. Diese Bild ist bei jedem unterschiedlich. Wenn du die Übung aber vormachst, bekommt jeder das gleiche Bild, nämlich das, welches du ihnen vormachst.

Die Folge ist, dass jeder das Gleiche macht. Die Entstehung des Eigenen mit einem unterschiedlichen Muster geht dabei unter. Kreativität kann so nicht entstehen.

Gleichzeitig gibt es hier aber eine Ausnahme. Sie bezieht sich auf die Zirkuspädagogik und das Erlernen von Künsten (z. B. Jonglieren). Wir lernen auf zwei Arten: durch Probieren und durch Beobachtung. Wenn ich also das Jonglieren vormache, kann mein Gegenüber diesen Prozess genau beobachten, um ihn nachzumachen. So lernen wir, wie es geht. Gleichzeitig kann es aber auch viele andere Wege geben, das Jonglieren zu lernen. Ich zeige nur, wie ich es mache.

Auf den Plan beharren.

Ich komme nicht immer dazu einen Kursplan zu erstellen. Wenn ich aber die Zeit und die Möglichkeit habe, bevorzuge ich es vorbereitet in einen Kurs zu gehen. Schreibe mir als auf, was ich heute mit meinen Teilnehmenden üben möchte. Dabei beachte ich die Didaktik und Gruppendynamik.

Während ich sogar immer wieder empfehle sich einen Plan zu machen, sollte aber auch bedacht werden, dass die Wünsche der Teilnehmenden nicht übersehen werden. Ich muss ein Gespür entwickeln, was meine Teilnehmenden brauchen und was sie sich wünschen. Wo ist noch Entwicklungspotenzial und welches persönliche Thema hat jeder meiner Teilnehmenden.

Das ist aber nur möglich, wenn ich mich nicht strikt an meinen Plan halte, sondern ihn eher als eine Orientierung verstehe.

Kritik

Wenn ich einen Kurs leite, gebe ich meinen Teilnehmenden immer die Möglichkeit das gelernte zu präsentieren. Ja, ich ermutige sie sogar, auf die Bühne zu gehen. Und nach dem alles gezeigt wurde, sollte auch Kritik erlaubt sein.

Jedoch sollte Kritik auch entsprechend richtig vermittelt werden. Ich achte immer darauf die Rückmeldung möglichst sachlich zu erläutern. Das klingt jetzt zunächst mal so, als würde es sich hierbei um eine Selbstverständlichkeit handeln. Sie muss aber auch geübt werden. Gut ist dabei immer, zuerst zu beschreiben, was man gesehen hat. Das kannst du als Aufgabenstellung all deinen Teilnehmenden mitgeben. Was habt ihr gesehen.

Im Anschluss sollte erklärt werden, dass die Darstellung zunächst einmal gut ist, wie sie dargestellt wurde. Denn es ist eine individuelle künstlerische Leistung der Menschen, die das präsentiert haben, die auf der Bühne stehen. Und Kunst kann nun mal nicht bewertet werden.

Das kann die nächste Aufgabe an deine Teilnehmenden und an dich selbst sein.  Jeder teilt mit, was er oder sie den anders gemacht hätte. „Was würdest du verändern?“ Damit wird die Darbietung nicht schlecht geredet, sondern in einen Bezug gesetzt. Der Bezug ist, wie würde es jemand anderes machen. Wenn ich dann noch sage, dass jede Art auf ihrer Weise okay ist und dass die Personen auf der Bühne sich von den Ideen andere inspirieren lassen dürfen, wurde die Rückmeldung objektiv und sachlich vermittelt, ohne zu verletzen.

Regieanweisung

Was ist der Unterschied zwischen einem Regisseur und einem Theaterpädagogen, bzw. Zirkuspädagogen? Der Regisseur hat eine klare Vorstellung, welches Stück er spielen möchte und wie das Ergebnis (ungefähr) später aussehen soll. Auf diese Bild zugeschnitten sucht sich der Regisseur passende Schauspieler.

In der Pädagogik sollten wir nie ein klares Bild eines Stückes haben und In der Pädagogik sollten wir nie ein klares Bild eines Stückes haben und arbeiten mit den Menschen zusammen, die zu uns kommen. Eine Auswahl nach Rollen findet nicht statt. Und dennoch gibt es immer wieder Zirkus- und Theaterpädagogen, die ihr klares Bild einer Szene umgesetzt haben möchte, bzw. nicht genügend Rücksicht auf die Ideen die Teilnehmenden nehmen. Das ist auch dann der Fall, wenn ich keine Anreize für eine Vorstellung gebe und mit einem fertigen Konzept und Stück um die Ecke komme, das umgesetzt werden soll.

Dieser Fehler wird immer wieder gemacht. Auch ich habe immer wieder den Drang eigene Ideen umzusetzen. Als einen guten Kompromiss zwischen den Ideen meiner Kursteilnehmenden und meinen eigenen Wünschen und Vorstellungen der Verwirklichung habe ich mit mir selbst einen Kompromiss geschlossen.

Ich erlaube mir auch meine Ideen in das Projekt einfließen zu lassen und setzte meine Vorstellung in einer einzigen Szene um. Natürlich nur, wenn meine Teilnehmenden sich auch darauf einlassen. So kann ich meine eigenen Wünsche umsetzten und mich auf die Wünsche der anderen voll einlassen.

Photo by chuttersnap on Unsplash

Fazit

Fehler machen wir alle. Fehler finde ich auch gar nicht schlimm. Fehlter sind sogar wichtig, wenn man aus ihnen lernt. Aus diesem Grund reflektiere ich meine Kurse und meine Arbeit immer wieder aufs Neue und frage mich selbst, was ich in Zukunft besser machen könnte. Vieles von dem, was mir schon passiert ist, habe ich hier nicht aufgelistet und würde auch den Rahmen für diesen Beitrag sprengen. Gleichzeitig möchte ich dir aber auch Punkte mitgeben, damit du aus den Fehlern lernst, die mir immer wieder auffallen, wenn ich mit anderen Kursleitern arbeite.

Mit Sicherheit fehlen noch ganz viele Punkte, die hier genannt werden könnten. Aus diesem Grund bitte ich dich uns in den Kommentaren mitzuteilen, was du heute anders machen würdest.

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