Das Abschusstreffen

Das Abschusstreffen

Nach einer Vorstellung oder einem längeren Kurs mache ich gerne ein Abschluss treffen. Hier hat Jeder die Möglichkeit sich von allen Teilnehmenden zu verabschieden, sowie den Kurs zu reflektieren. Das sind auch die Kernpunkte eines solchen letzten Treffens. Welche Spiele oder Übungen man hier wählen kann, und der Sinn eines Solchen Treffens, wird in diesem Blogbeitrag beschrieben.

Warum ein letztes Treffen?

Die Gründe für ein Treffen sind vielfältig. Einiges habe ich oben schon erwähnt. Die wichtigsten Gründe sind natürlich, den Teilnehmenden die Möglichkeit der Reflexion zu geben, sowie sich zu verabschieden. Gleichzeitig ist es auch für dich eine gute Feedback Möglichkeit. Bei einem solchen Treffen kann ein Fragebogen herumgegeben werden, der bei deiner Reflexion helfen kann. Diese Rückmeldungen helfen dir dann deinen Kurs zu verbessern. Was hat den Teilnehmenden gefallen, was nicht, was hätten sie sich gewünscht. Dies kann durchaus auch sehr Kindgerecht gestaltet werden. Zum Beispiel mit Farben. Wenn der Kurs eine Farbe hätte, welche hättest du ihm gegeben und warum? Meistens stehen auch schon bei den kleinen warme Farben für Harmonie und kalte für das Gegenteil. Aber Vorsicht, gerade bei Kindern kommt es öfters vor, dass die Farben unterschiedliche, nicht gesellschafstypische Bedeutungen haben können. Daher sollte man vorher über solche Dinge reden um zu klären, dass jeder das Gleiche mit den Farben meinst.

Fragebogen

Um deine Arbeit qualitativ zu verbessern, kannst du einen Fragebogen rumgeben in dem die Kinder dir Antworten auf deine Arbeit geben können. Wie oft hattest du Spaß während des Kurses: immer – manchmal – selten. Wenn man einen solchen Fragebogen ausfüllen lässt, ist es immer ratsam, die Eltern um Erlaubnis zu bitten, auf alle Fälle, sollten die Daten aber anonymisiert sein und entsprechend gesichert werden. Verläuft aber eine solche Befragung über mehrere Kurse, kann dies die Qualität deiner Arbeit sehr verbessern. Als Alternative kannst du die Kinder auch bitten dir einen anonymen Brief zu schreiben.

Reflexion

Welche Möglichkeiten gibt es, damit die Teilnehmenden den Kurs reflektieren können? Hier stehen folgende Übungen zur Auswahl:

1.     Video
Gab es eine Vorstellung, nehme ich diese in der Regel auf Video auf. Auch hier ist eine Einverständniserklärung der Eltern nötig. Die Reflexion mit einem Video hat zwei Vorteile. Zum einen sehen sich die Kinder selbst auf der Bühne und sehen die Wirkung, bzw. ihr Tun auf der Bühne. Damit sind sie in der Lage, selbst für sich zu die Frage zu beantworten, ob die Vorstellung ihnen gefallen hat, oder eben nicht. Zum Zweiten können sie sich in die Zeit wieder zurück versetzten. Alle Emotionen, Gefühle und Ereignisse dieser Zeit werden so leichter zugänglich für die Kinder, was die Reflexion vereinfacht.

2.     Briefschreiben
Eine Reflexion kann auch in Form eines Briefes stattfinden. Dieses mal nicht an dich, sondern an sich selbst. Hier sollten sie alles schreiben, was sie erlebt haben. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Schreiben anhand von Fragen einfacher ist. Mögliche Fragen könnten sein: Was hat mir gut gefallen, was hat mir nicht gefallen, was hätte ich mir gewünscht, was viel mir schwer/leicht, hatte ich immer spaß, gab es einen Tag der mir besonders gut gefiel/ nicht gefiel. Denke dir ein Paar Fragen aus, die individuell zu deinem Kurs passen. Wenn du möchtest, kannst du die Briefe einsammeln und sie einen Monat später deinen Teilnehmern per Post zuschicken. Machst du Regelmäßig Kurse, kannst du diesem Brief auch eine Anmeldung zum nächsten Kurs beilegen.

3.     Schilderschreiben
Die gleichen Fragen, wie beim Briefschreiben, kann man auch zum Schilderschreiben verwenden. Hier empfehle ich aber nur max. 3 Fragen. Die Antworten schreiben die Teilnehmenden am besten mit einem dicken Filzstift, so dass sie gut lesbar sind. Dann können die Schilder inklusive Fragen, die in A5 Ausgedruckt wurden, auf den Rücken klebt werden. Dann beginnt ein Raumlauf, so dass jeder die Meinung des anderen lesen kann. Der Vorteil ist, dass sich so jeder Teilnehmende ein Bild der Stimmung des Kurses sammeln kann. Wem hat was gefallen, gibt es Personen, denen das Gleiche gefallen hat, wie mir. Gleichzeitig werden die Meinungen aber nicht unbedingt jeder Person zu geordnet, da sie auf dem Rücken der Teilnehmenden kleben und ich so schlechter erkenne, wem dieses Schild gehört. Das ist natürlich nur bedingt der Fall, hat aber dennoch eine Wirkung. Möchte ich die Stimmung doch lieber Personen oder Gruppen zu ordnen, kann ich Meinungsgruppen bilden lassen, in dem sich die Teilnehmenden zu Themen gruppieren. Beispielsweise: habe ich einige Personen, die Spaß am Jonglieren hatten, kann ich Gruppen bilden lassen. Wem haben die Handgeschicklichkeiten (Jonglieren, Diabolo, Tellerdrehen …) gefallen, wem die Balance (Einrad, Hochseil, Laufkugel …). Hier können Personen auch alleine stehen, denn auch ein Alleinstellungsmerkmal kann Charme haben.

4.     Gemeinschaftsbild
Die Auseinandersetzung mit dem Kurs kann nicht nur in Schriftform stattfinden, auch das Malen von Bildern ist, besonders bei Kindern, eine gute Möglichkeit der Reflexion. Hier gibt es wieder zwei Möglichkeiten, entweder Malt jeder Teilnehmende sein eigenes Bild, oder es wird ein Bild auf einer großen Papierrolle gemalt. Hier kann jeder sein Bild entweder in ein anderes integrieren, oder jeder mal seinen Bereich. Weiter kann ich hier auch empfehlen, dass das Bild nicht auf Grundlage von mehreren Fragen gestaltet wird, sondern nur mit einer: Dem gesamt Eindruck. Hier können auch mehrere Aspekte berücksichtigt werden, in dem der Gesamteindruck durch das Üben und durch die Vorstellung dargestellt werden, beides kann in einem Bild ausgedrückt werden.

Besonderheiten eines letzten Treffens

Neben der Reflexion gibt es noch einige Besonderheiten, wie zum Beispiel das Ausprobieren von Materialien oder anderen Dingen die aus Zeitgründen oder ähnlichem nicht durch geführt werden konnten. Im Zirkus können hier die Kinder in unserem Kurs, dann immer andere Zirkusmaterialien ausprobieren, die im Kurs nicht vorkamen. Gerade, wenn für Vorstellungen geprobt wird, reicht oft die Zeit nicht um Anderes auszuprobieren. So bieten wir in einem Nachtreffen unter anderem auch immer Messerwerfen und das Balanceseil an, aber auch die Vertikaltücher. Diese Sachen werden im Kurs selbst nicht angeboten, da wir einen Extra Kurs für Vertikaltücher haben, weshalb unser Kurs speziell auf andere Dinge den Fokus legt.

Urkunde

Zum Ende des Kurses verteilen wir jedem Teilnehmend noch eine Urkunde und ein kleines Geschenk. Beides dient dazu, dass die Teilnehmenden sich noch lange an die schöne Zeit im Kurs erinnern können. Gleichzeitig bekommt der Kurs eine ganz besondere Stellung, da ja alles besonders ist, wenn es mit einer Urkunde ausgezeichnet wird. Es dient darüber hinaus auch als Anerkennung für die besonderen Leistungen der Teilnehmenden.

Verabschiedung

Alle Kursteilnehmenden haben eine lange Zeit miteinander verbracht und sich hoffentlich gut verstanden. Ein Nachtreffen macht nur Sinn, wenn der Kurs über einen längeren Zeitraum gelaufen war. Darüber hinaus sollte es bei nahezu jedem Kurs das Ziel sein, aus allen Anwesenden eine Gruppe/Ensemble zu machen. Haben sich Kinder oder Jugendliche über einen langen Zeitraum gut verstanden und lange an einer Vorstellung gearbeitet, sind meistens enge Bindungen entstanden, die nicht zwingend außerhalb eines Kurses stattfinden. Die Treffen beschränken sich meist auf diese Zeit und werden danach nicht mehr weiter geführt. Das ist nicht nur schade, für die Teilnehmenden, sondern auch für die Projekte, da hier klar wird, dass die dort erzielten Bindungen nicht auf die Lebenswelt der Teilnehmenden übertragen werden, was Inklusionsprojekte vor einem Legitimitätsproblem stellt. Daraus ergibt sich aber auch, dass die Verabschiedung von den Teilnehmenden um so wichtiger ist. Dies kann in Form von verschiedenen Spielen stattfinden, die in der Theaterpädagogik üblich sind, oder durch einen Gesprächskreis, der auch als kleine Reflexion dienen kann. Gleichzeitig sollte darauf geachtet werden, dass das letzte Treffen entsprechend mit Kuchen, einer Feier oder ähnlichem zelebriert wird. Hier kann bei der Organisation (in Form von Essensspenden, beim Dekorieren helfen oder ähnliches) auch jeder seinen Beitrag leisten um den Abschluss entsprechend schön zu gestalten und ihn in das Langzeitgedächtnis Aller zu prägen.

Fazit

Es gibt viele Möglichkeiten ein Abschlusstreffen zu gestallten. Die „Dimensionen“ der Gestaltung messen sich an denen des Kurses. Wie lange war er, wie viele Teilnehmenden hatten mitgemacht, wurde viel oder wenig erlebt? Auch der zeitliche Rahmen zum Abschluss sollte sich hieran orientieren, sowie die Stimmung in der Gruppe. Zeigt die Stimmung starke und enge Bindungen innerhalb der Gruppe auf, oder sind diese eher weniger. Entsprechend kann man die Spiele daran ausrichten und in die Reflexion gehen. Zum Schluss sollte auch immer bedacht werden, dass nicht nur die Teilnehmenden von einer Reflexion profitieren, sondern auch du. Die Qualität der Arbeit kann nicht nur mit Hilfe eines Fragebogens verbessert werden, sondern auch mit dem auffangen der Stimmung und den Rückmeldungen der Teilnehmenden: Was hat wem am meisten Spaß gemacht? Was kam gut bei Mädchen an, was bei Jungen? Das sind nur einige Beispiele, weiter kannst du dir selbst ausdenken. 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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