Der Unterschied zwischen Zirkus und Theater

Der Unterschied zwischen Zirkus und Theater

Der Unterschied zwischen Zirkus und Theater liegt im Wesentlichen in der Interaktion. Während ich im Theater die Interaktion zwischen Publikum und Schauspieler besteht, liegt sie im Zirkus zwischen dem Artisten und seinem Zirkusmaterial. Wie dieses Zusammenspiel genau aussieht versucht dieser Blogbeitrag zu beleuchten.

Alleinstellungsmerkmal

Eigentlich ist es ganz einfach. In Bezug zum Theater kann Zirkus mit einem Musical verglichen werden. Das Singen kann für sich alleine stehen, ebenso wie das Theater. Gleichzeitig kann ich den Gesang theatralisch darstellen und so eine Geschichte erzählen. In der Regel werden die Gefühle des Menschen in einem Musical gesungen. Das Theaterspiel wird sozusagen kurz unterbrochen, um dem Gefühlspart Platz zu geben. Jede Kunstform kann also für sich stehen und gleichzeitig kann ich sie miteinander kombinieren. Dabei müssen nicht zwingend nur zwei Teile verbunden werden, denn oft wird in einem Musical auch getanzt. Und ähnlich ist es mit Zirkus. Ich kann Zirkus alleine machen, ich selbst stelle am liebsten aber etwas mit Zirkuselementen dar. Hier bedarf es zwar etwas Fantasie, aber genau die wollen wir ja anregen. Entsprechend stelle ich mit einem Zirkusstück eine Geschichte dar. Die Gegenstände werden verfremdet, so kann ein Einrad zum Beispiel ein Auto sein, oder ein Spinnrad. Auf dieser Grundbasis entsteht dann eine Handlung. Mit Zirkus, Musik und Tanz kann ich also sowohl einzelne Nummern darstellen, die zusammenhanglos gespielt werden. Gleichzeitig kann ich diese Kunstformen auch alleine darstellen und brauche niemanden. Im Theater ist das nicht der Fall. Theater kann ich nicht alleine Spiele. Um zu verstehen, warum das so ist, muss man zunächst die Essenz – also der kleinste Nenner des Theaters – sich ansehen, und ihn mit dem Zirkus vergleichen.

Die Essenz des Zirkus und des Theaters

Peter Brook beschreibt in seinem Buch „der leere Raum“ Theater als ein zusammen spiel von Schauspieler und Zuschauer. Eine Person spielt also eine Rolle in einem leeren Raum und eine zweite Person schaut ihr zu. Das ist, nach Peter Brooks Definition, Theater. Alles andere, wie Licht, Vorhang, Bühnenbilder und so weiter sind nur Beiwerk. Eine Freundin nannte mir mal eine Bezeichnung für Theater, die ich für treffender halte: „A“ spielt „B“, während „C“ zusieht. Also eine Person „A“ spielt die Rolle „B“, während der Zuschauer, Person „C“, zusieht. Diese Bezeichnung finde ich aus zwei Gründen sehr passend. Erstens ist es einfach so, dass ein Schauspieler eine andere Rolle übernimmt und diese Spielt. Bei einem guten Schauspieler verschmelzt dieser sogar komplett mit der Figur, sodass während des Spiels seine eigene Persönlichkeit verschwindet. Zweitens gefällt mir diese Definition so gut, weil sie den Zirkus gut beschreibt. Im Gegensatz zum Theater haben wir im Zirkus Artisten. Der Unterschied ist vor allem darin zu sehen, dass die Person nicht mit dem Kunstgegenstand (Rolle, bzw. Zirkusmaterial) verschmilzt. Der Artist interagiert mit dem Zirkusmaterial. Er macht sich das Material zu eigen, in dem er es kontrolliert und sich vom Material leiten, bzw. sogar kontrollieren lässt. Der gute Artist verschwindet also nicht, sondern geht eine Art Symbiose mit dem Material ein. Übertragen auf Zirkus kann unser Beispiel wie folgt lauten: „A“ spielt mit „B“ während „C“ zusieht.

Dieser Gedanke kann aber noch weiter reduziert werden. Denn, da wir schon eine Interaktion des Künstlers haben (mit dem Zirkusmaterial) brauchen wir im Gegensatz zum Theater, „C“ nicht mehr.

Nun stellt sich natürlich die Frage, braucht es überhaupt eine Interaktion? Da sage ich, Ja! Denn sowohl Zirkus als auch Theater sind Kultur und Kultur ist im Wesentlichen alles, was der Mensch hervorbringt. Und der Mensch ist ein soziales Wesen, er kann also nicht alleine Existieren, er braucht Interaktion um leben zu können. Das ist hier nun eine sehr kurze Argumentationskette, die ich nicht weiter ausführen möchte.

Was sind die Folgen dieser Erkenntnisse?

Die oben aufgeführten Überlegungen sind die Erklärungen, warum ein Auftritt auf einer Bühne im Theater langsamer und vorsichtiger aufgebaut werden muss, als beim Zirkus. Im Theater sollte der/die Künstler_in erst in der Gruppe frei sprechen, bzw. Agieren. Danach können deinen Teilnehmenden in einer Gruppe auf die Bühne oder im Mittelpunkt stehen um zum Schluss sich nur alleine oder zu zweit darzustellen.

Beim Zirkus ist das anders. Hier kann auf einen langsamen Aufbau verzichtet werden. Die Teilnehmenden trauen sich schon recht früh alleine auf der Bühne zu stehen und ihr Zirkusmaterial vorzuführen. Auch Einzelbetreuung durch zirkuspädagogische Methoden sind daher möglich. In der Zirkuspädagogik brauche ich keine Gruppe, wie es im Theater der Fall ist. Ich kann sowohl in der Gruppe agieren, als auch in Einzelarbeit.

Der Grund für diese Unterschiede liegt in der Interaktion. Da ich im Zirkus mit dem Material agiere, braucht es auch nur das Material, sonst nichts. Im Theater interagiere ich mit dem Publikum und dem Schauspieler, wenn noch einer da ist. Daher brauche ich im Theater eine Gruppe, also andere Menschen mit denen ich agieren kann.

 

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