Macht es immer Sinn, bei Übungen mitzumachen?

Macht es immer Sinn, bei Übungen mitzumachen?

Immer wieder werde ich gefragt, ob der Anleitende bei Spielen selbst mitmachen soll oder nicht. Von Kolleginnen und Kollegen erhalte ich oft die Meinung, dass es egal wäre und jeder so arbeiten könne, wie es ihm gefällt.

Allerdings bin ich da anderer Meinung, denn während meiner Arbeit stelle ich schon einen Unterschied fest. Ich denke, der Gravierendste ist die Dynamik. Wenn du als Anleiter selbst an Übungen teilnimmst, ist es doch klar, dass die Gruppendynamik mit deiner Persönlichkeit verändert wird. Denn jeder bringt sich als Person mit ein und damit auch seine Persönlichkeit, was wiederum Wirkung auf die Gruppendynamik hat. Natürlich entwickelt sich diese Wirkung auch, wenn die Übungen nur anleitet werden und du nicht selbst mitwirkst. Zentral ist hier die Rolle des Kursleitenden in Bezug zu den Teilnehmenden der Gruppe.

 

Demnach ist die Frage, ob du an einer Übung teilnehmen sollst, oder nicht, also in eine Interaktion mit den Teilnehmenden gehst, oder vermeidest, situationsabhängig und kann nicht allgemein beantwortet werden. Nachfolgend werde ich die unterschiedlichen Wirkungen auf die Gruppen, oder Einzelpersonen näher beleuchten, um aufzuzeigen, welche Gründe es gibt mit einer Gruppe zu arbeiten, oder sich bei Spielen und Übungen rauszuhalten.

 

Ungerade Gruppenanzahl

Das einfachste und logischste Argument für das Mitwirken während einer Übung ist die Gruppengröße, beziehungsweise ob die Anzahl der Teilnehmenden gerade oder ungerade ist. Zum Beispiel, wenn die Gruppe Paare bilden soll, eine Gruppe aber aus 21 Teilnehmer_innnen besteht. Als Alternative gibt es zwar auch die Möglichkeit, das eine Gruppe aus drei Personen gebildet wird, in manchen Übungen ist dies jedoch schwer umzusetzen.

 

Zusammenhalt

Es kann gut für eine Gruppe sein, selbst auch als Anleiter_in bei einer Übung teilzunehmen. Dies gilt insbesondere für Fun-Games (Spiele mit hohem Spaßfaktor). So ist es möglich eine eventuelle Distanz zwischen der Gruppe und dir abzubauen, oder eben gar nicht entstehen zu lassen. Daher macht es Sinn besonders zu Beginn (bei der Bildung eines Ensembles – Forming Phase) bei Übungen und Spielen mitzumachen.

 

Beziehungsarbeit mit Einzelpersonen

Insbesondere bei Jugendlichen, die dich vor besondere Herausforderungen stellen, hilft es, wenn der Kursleitende persönlich Partnerübungen mit ihnen macht. In der Regel sind sie nicht davon begeistert. Es kann aber zu mehr Ruhe in deinem Kurs verhelfen. Des Weiteren kannst Du dabei eher auf diese Person achten, so dass sie die Übung „richtig“ ausführt. Damit ist diese Methode eine gute Möglichkeit auf „Zappelphilippe“ zu reagieren.

 

Demnach liegt der Hauptgrund, um an einer Übung oder einem Spiel mitzuwirken, insbesondere im Beziehungsaufbau, bzw. der Gruppendynamik. Auf der anderen Seite liegen gute Gründe, sich aus Übungen/Spiele rauszuhalten, in der Beobachtung und Unterstützung.

 

Das Ganze im Blick

Dadurch, dass du dich aus Übungen herauslässt, bist du in der Lage, für die gesamte Gruppe präsent zu sein. du ziehst dich zurück und kannst damit besser von allen in der Gruppe wahrgenommen werden. Gleichzeitig kann der Kursleitende, alle Teilnehmenden besser wahrnehmen und so jedes Gruppenmitglied genauer beobachten. Fragen, die du dir dabei stellen solltest, wären dann:

·      Wer ist eher introvertiert wer eher extrovertiert?

·      Wer übertritt gerne Regeln und wer hält sich strikt an die Vorgaben?

·      Wer steht mit wem zusammen und wer wird im Spiel gemieden?

·      Gibt es eine Teilnehmerin einen Teilnehmer, der/die besonders auffällt (positiv, wie negativ)?

Es Fallen dir sicherlich auch noch einige Fragen ein, die du stellen kannst. Auf alle Fälle können die Antworten dieser Fragen wichtig für die zukünftige Arbeit sein, da sie dir zeigen, aus welchen Persönlichkeiten das Ensemble besteht, was eine Voraussetzung zur individuellen Förderung der Teilnehmenden ist. Wenn zum Beispiel ein Kind introvertiert ist, gebe ich diesem gerne eine Rolle/ Aufgabe in der es extrovertiert reagieren soll. Darüber hinaus gehen diese Kinder immer gerne in Gruppen und Gruppenarbeiten unter, ein weiterer Punkt, der nicht vernachlässigt werden darf.

 

Individuelle Unterstützung

Hält sich der Kursleitende aus Übungen heraushältst, hat er die Möglichkeit von Person zu Person zu gehen. Dies gibt dir die Möglichkeit in der Gruppe eine individuelle Unterstützung zu ermöglichen. Du kannst rum gehen und jedem Teilnehmenden eine an ihn angepasste Unterstützung ermöglichen. Dadurch ist nicht nur eine individuelle Förderdung möglich, sondern du siehst auch, wo wer noch weitere Übungen benötigt, um sich in einem bestimmten Bereich zu verbessern. Darüber hinaus kann über diese Weise auch beobachtet werden, welche Übungen die gesamte Gruppe noch benötigt. Was für die individuelle Unterstützung gilt, gilt natürlich auch für die Kleingruppenarbeit.

 

Vorbereitung

Wenn du dich aus Spielen oder Übungen herausnimmt, hast du die Möglichkeit dich auf andere Dinge zu konzentrieren, während die Gruppe gerade ein Spiel spielt. Die Zeit kann genutzt werden, um sich auf das nächste vorzubereiten. Zum Beispiel die Musik auszuwählen. Dies kann auch während der Kursplanung mitbedacht werden. Spiele oder Übungen, die eine Aufbauzeit benötigen, können nach einem Fun-Spiel geplant werden, damit der Aufbau stattfinden kann, während die Teilnehmenden das Spiel spielen.

 

Du siehst also, es ist nicht egal, ob die Spielleiterin/ der Spielleiter in der Gruppe mitwirkt und es gibt gute Gründe mal in die Gruppe einzusteigen, oder sich raus zuhalten. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass es immer eine Wirkung auf die Gruppe hat, egal, ob mit ihnen Interagiert wird, oder sie nur beobachtet werden.

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