Partizipation in der Zirkuspädagogik
Partizipation in der Zirkus- und Theaterpädagogik

Partizipation in der Zirkuspädagogik

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Partizipation kommt vom lateinischen und bedeutet Mitbestimmung, oder Teilhabe. Diese Definition steht nicht nur bei Wikipedia, sondern wird auch von der Wissenschaft vertreten. Gleichzeitig ist Mitbestimmung nichts Festgeschriebenes. Partizipation ist die Unterstützung und Anregung von Beteiligungsprozessen innerhalb eines Systems. Dem Menschen soll mit einer fairen und gleichberechtigten Beteiligung die Gestaltung dieses Systems ermöglicht werden. Um diese Beteiligung zu ermöglichen, werden bestehende Prozesse genutzt, begleitet oder neue geschaffen. Die Begleitung und Schaffung dieser Prozesse sind ein wesentlicher Teil der Sozialen Arbeit und ein Fundament in der Beziehungsarbeit innerhalb der Kinder und Jugendhilfe, sowie in anderen Dimensionen dieser Profession. Mehr überwiesen Thema erfährst du in meinem Beitrag „Das Empowerment-Konzept

Warum sollte Partizipation ermöglicht werden

Partizipation ist nichts Selbstverständliches. Es muss gelebt werden, und zwar von allen. Damit meine ich, dass sich jeder bei der Umsetzung beteiligen muss, wenn die Mitbestimmung umgesetzt werden soll. Die Gefahr ist immer, dass es zur Scheinpartizipation kommt. Gaby Straßburger und Judith Rieger haben hierzu ein Buch veröffentlicht, in dem sie unteranderem die Partizipationspyramide entwickelt haben. Ein Indikator, der dir zeigt, wie viel Mitbestimmung möglich ist.

Was sagt das Grundgesetz?

Paragraphenzeichen in unterschiedlicher Größe

Unabhängig dieses Kanons haben alle Menschen ein Recht auf Partizipation. Dieses Recht ist zum Beispiel im Grundgesetz verankert. Danach muss jeder Mensch als Individuum wahrgenommen werden. Auf der Grundlage der Menschenwürde (§ 1 Abs. 1 GG) soll der Mensch als Subjekt und nicht als Objekt staatlichen Handelns wahrgenommen werden. Fraglich ist, ob wir mit der Kulturpädagogik staatlich handeln? Ich persönlich betrachte meine Arbeit immer aus sozialpädagogischer Sicht. Wenn ich also ein kulturpädagogisches Angebot in einer öffentlichen Einrichtung (bspw. in einer Schule) anbiete, agiere ich in einer staatlichen Institution. Damit muss ich mich auch an die Handlungsmaxime dieser Institution halten. Da eine Schule im Sinne des Staates handelt, muss ich mich im Sinne des § 1 Abs. 1 GG handeln. Dies ist nur ein kleiner Teil des Rechts auf Partizipation. Besonders im SGB VIII lassen sich hierzu noch mehr Normen finden. Hier ein Positionspapier der AGJ.

Partizipation aus pädagogischen Gründen

Mitbestimmung und Teilhabe sind Teilziele der Zirkus und Theaterpädagogik. Nur wenn du einem Kind vertraust, wird Mitbestimmung möglich sein. Und wenn wir den Kinder Vertrauen schenken, werden sie sich auch selbst vertrauen. Partizipation fördert daher also auch die Persönlichkeit und das Selbstbewusstsein des Kindes. Darüberhinaus fördert die Mitbestimmung auch die Kommunikation. Die Kinder müssen mit allen anderen Teilnehmenden reden, wenn sie sich beteiligen möchten. Im kommunikativen Prozess handeln die Teilnehmenden Mehrheiten aus. Diese Mehrheiten werden idealerweise demokratisch ermittelt. Daher fördert die Partizipation Demokratie und das Miteinander.

Mitbestimmung praktisch umsetzen

viele Hände und Füße

Um Mitbestimmung praktisch umsetzen zu können, musst du deine Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausprobieren lassen. Du musst ihnen die Möglichkeit eröffnen frei zu agieren. Gleichzeitig darfst du aber nicht vergessen, Struktur in deinen Kurs zu bringen. Denn sonst läufst du Gefahr, dass Einige die Orientierung verlieren.

Sei offen für Ideen deines Gegenübers. Das verlangt von dir auch, dass du deine eigenen Vorstellungen und Ideen zu einer Nummer, oder Präsentation zurückstellen musst. Lass dich auf das ein, was deine Teilnehmenden dir sagen. Lehne ihre Vorschläge nicht sofort ab, sondern überleg, wie du sie so verändern kannst, dass alle glücklich mit dem Ergebnis sind.

Damit die Ideen sprießen können, musst du deinen Teilnehmenden einen geschützten Rahmen bieten. Diesen kannst du gewährleisten, in dem du in sicheren vier Wänden spielst und nich draußen in der Natur. In diesem Raum dürfen sich auch keine fremden Personen aufhalten. Aber auch im Umgang miteinander braucht es eine Sicherheit. In der Gruppe darf es keine Tabus geben und jeder sollte sagen dürfen, was er denkt. Natürlich ohne den anderen zu verletzen.

Ich habe schon oben angesprochen, dass es nicht immer sinnvoll ist, deinen Teilnehmenden eine uneingeschränkte Offenheit zu ermöglichen. Für einen Kurs brauchen wir auch Struktur. Gleichzeitig grenzen aber Strukturen auch die Partizipation ein. Diese Grenzen solltest du offen ansprechen.

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